Hotel für fleißige Hummeln

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Schüler der Abteilung Land- und Gartenbau in Letmathe vom Berufskolleg des Märkischen Kreises in Iserlohn fertigen Hummelschutzkästen an

Klar, die Biene wollen alle schützen. Aber die pummelige Hummel? Hat die das denn so nötig? Selbstverständlich, wie man in der Abteilung Land- und Gartenbau in Letmathe weiß.

Denn in Wirklichkeit geht es allen Insekten in Deutschland schlecht. Pestizide und das Verschwinden von angestammten Lebensräumen als Folge der großflächigen Monokulturen in der Landwirtschaft setzen allen Insektengruppen zu. Das hat aber auch langfristig Folgen für die Agrarwirtschaft, denn viele Kulturen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Dabei haben wir vor allen Dingen die Honigbiene auf dem Schirm, die Leistung der Hummel (die übrigens auch zur Gattung der „Echten Bienen“ zählt) wird im Vergleich zur Honigbiene jedoch oft unterschätzt.

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So haben Hummeln beim Bestäuben ein doppelt so hohes Tempo wie die Bienen. Hummeln sind schwerer und kommen damit auch beim Bestäuben stärker mit Staubgefäßen und Stempeln in Berührung. Und sie sind auch noch im Halbdunklen und bei kühleren Temperaturen ständig aktiv (daher auch die „Hummeln im Hintern“). Kurzum: Sie sind fleißiger als die Honigbiene, aber ebenso bedroht wie sie.

Vor allen Dingen fehlende Nistmöglichkeiten (verlassene Mäusenester und Maulwurfsbauten) sowie das Fehlen von Wildblumen am Feldrand in der modernen Landwirtschaft machen Bombus terrestris zu schaffen. Genau an diesen beiden Punkten setzt auch das bildungsgangübergreifende Projekt in der Abteilung Land- und Gartenbau in Letmathe an. So fertigten die Schüler in der Ausbildungsvorbereitung Agrarwirtschaft im Werkunterricht unter Anleitung ihres Fachlehrers Andreas Rinsche Hummelkästen, auch Hummelhotels genannt, an.

Die Schüler der Klasse 11 der Fachoberschule für Agrarwirtschaft, Bio und Umwelttechnologie sorgten hingegen unter Anleitung ihres Fachlehrers Christian Woltmann dafür, dass die Hummeln und andere Insekten auch im Sommer nicht hungern müssen, denn die heutigen Monokulturen aus Raps sind für die Insekten nur für wenige Wochen ein wahres Schlaraffenland. Deshalb richteten die Schüler auch auf dem Gelände des schulischen Lehrgartens ein ca. 200 qm großes Areal her, auf dem sie am 20. April 2018 die Samen für eine Wildblumenwiese aussäten.

Pünktlich zum Tag des „Gartens des Lernens“, der übrigens im Rahmen der „Offenen Gärten im Ruhrbogen“ Uhr am Sonntag, dem 08. Juli von 11-18 Uhr für interessierte Besucher offen stehen wird, werden dann im Lehrgarten der Abteilung Land- und Gartenbau in Letmathe blaue Kornblumen, roter Klatschmohn, blauer Leinen und weiße Margeriten auf der Wildblumenwiese erblühen und den Wildinsekten reichlich Nahrung bieten. Zukünftig wird der Weg für manche Hummel auch nicht weit sein, denn der Standort des Hummelkastens ist natürlich die neu angelegte Wildblumenwiese.

Außerdem haben die Schüler der Fachoberschule Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnologie im Rahmen des Fachunterrichtes Plakate und Flyer angefertigt, mit denen sie die Besucher am Tag des „Gartens des Lernens“ über für Wildinsekten geeignete Blumen sowie über den Bau eines Hummelkastens informieren werden. Vielleicht kann ja so der eine oder andere Besucher auch davon überzeugt werden, für seinen eigenen Garten einen Hummelkasten anzufertigen und seinen Rasen nicht so kurz zu trimmen, damit auch wieder Löwenzahn und Klee für die Wildinsekten sprießen können.

(Text und Fotos: Clas Möller)