Gefahren erkennen…

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Industriekaufleute EU nehmen am Fahrsicherheitstraining teil.

„Gefahren erkennen. Fahrzeug beherrschen. Unfälle vermeiden“ - so steht es in dicken Lettern auf dem Banner, der die Besucher auf dem Fahrsicherheits-Übungsplatz im Sauerlandpark in Hemer am Eingang empfängt. Die Eingangsschranke ist heruntergelassen – „Verbot für Fahrzeuge aller Art“ zeigt das runde Verkehrsschild mit der roten Umrandung an.

Und das hat auch seinen Grund, denn hier arbeiten 12 junge Fahrer aus dem Bildungsgang Industriekaufleute EU konzentriert unter Anleitung von Polizeihauptkommissar Uwe Düchting von der Polizei Iserlohn Aufgaben zur Erhöhung der Fahrsicherheit der jungen Fahrer ab. Folglich haben besuchende Fußgänger, die sich unter der Schranke hindurchzwängen, auch eigentlich hier nichts verloren. Erst recht nicht, wenn es hier darum geht, eine Situation zu üben, in die – zum Glück! - noch nicht jeder Fahrer hineingeraten ist: Ein Hindernis taucht plötzlich auf – jetzt gilt es aus voller Geschwindigkeit eine echte Vollbremsung hinzulegen. Das will geübt werden, und so wird Uwe Düchting, der auf dem Übungsplatz den heranrasenden Fahrzeugen das Signal zum Bremsen gibt, auch nicht müde, den jungen Fahrern Tipps zu geben und sie zu ermutigen, noch entschlossener und mit voller Kraft die Bremse zu betätigen.

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Das ist oft gar nicht so einfach zu beherzigen, insbesondere für eher defensive Fahrer. Per Walkie-Talkie kommt jetzt von Hauptkommissar Uwe Düchting für Katharina (19 Jahre) das Start-Signal. Katharina lässt einmal mehr die 65 PS ihres Kia Picanto aufheulen und der Wagen prescht nun entlang der Signalkegel über den Fahrtrainingsplatz. Vollbremsung, brachialer Stopp. Zum Glück habe ich den Kamerariemen sehr kurz über meine Brust gespannt, den Anschnallgurt darüber. Hauptkommissar Düchting ist zufrieden, mir wird doch hinten im Fond des Kia Picanto von Mal zu Mal schlechter. „Ich bin ein relativ vorsichtiger Fahrer, aber ich lerne hier auch als vorsichtiger Fahrer ziemlich viel“, gibt mir Katharina ganz gelassen zu verstehen, bevor es nochmals in die Runde zum Üben der Vollbremsung geht.

Aber dieses Training nahe an den Realsituationen kommt bei den jungen Leuten gut an. „Man wird sich ja leider gar nicht bewusst, was das heißt, wenn man 10 km/h zu schnell ist. In der Fahrschule berechnet man das zwar. Aber in der Realität ist das ganz anders, wenn der Bremsweg dann nicht mehr reicht“, so Katharina. Auch Jan Niklas, der über immerhin schon 3 Jahre Fahrpraxis verfügt, zeigt sich ganz begeistert: „Ich muss sagen, das ist eine super Sache. Es ist das erste Mal, dass ich so etwas mache. Zum Glück hatte ich noch nie die Situation, dass ich eine Vollbremsung machen musste“.

Keine Frage, diese jungen Leute werden nicht zögern, bei Kollisionsgefahr mit ganzer Kraft mit ihrem Fahrzeug eine Vollbremsung hinzulegen. Hiervon überzeugt zwänge ich mich nach einigen Platzrunden unter der Schranke hindurch zurück auf die Straßen des Sauerlands – noch immer etwas flau im Magen.

(Text und Fotos: Clas Möller)