Dialoge mit der Praxis

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Tobias Koop (Fotokünstler):

"Als Kreativer verkaufst du auch deinen Charakter"

Der Weg zum Fotokünstler ist nicht der Karriereweg eines Beamten, der über ein reglementiertes Studium und verschiedene Examina in die Sicherheit eines Beamtenverhältnisses mit festen Arbeitszeiten und einem zugesicherten Gehalt mündet. Der Weg eines Künstlers sieht da gänzlich anders aus, so trug Tobias Koop, Fotokünstler aus Hagen, gleich zu Beginn seines Vortrages in der Reihe „Dialoge mit der Praxis“ den im Forum versammelten Gestaltungsschülern vor.

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Eher tastend, eher suchend, aber durchaus ambitioniert – so sei in seinem Falle der Weg zum Fotokünstler gewesen, berichtete Tobias Koop.

Natürlich, den Beruf eines Fotografens könne man auch in einer Ausbildung lernen. Auch Kunst oder Fotodesign studieren, führte Tobias Kopp nicht ohne Ironie aus. „Ich habe aber beides abgebrochen“, gab er freimütig zu, denn es gebe auch Autodidakten, die sich die nötigen Dinge bei der Arbeit, beim Ausprobieren und Experimentieren beibrächten: „Ich habe einfach immer extrem viel gearbeitet und unterschiedliche Sachen ausprobiert.“

Angefangen habe bei ihm alles mit dem Sprayen von Graffitis, die er dann fotografiert habe. Dann habe er sich konsequent um die Entwicklung eines Portfolios gekümmert, zu dem beispielsweise seine Serien „Unsichtbar“ (Fotos von alten Menschen), „Wurzeln“ (Ruhrpottcharme) und „Rothaarige“ gehören.

Entscheidend für den Erfolg als selbstständiger Fotokünstler sei aber, dass man den Beruf als Berufung auffasse. Nach vielleicht schwierigen Anfangsjahren könne man dann auch davon leben, aber die Arbeitsbelastung bliebe hoch: „Ist man selbstständig, muss man sich auch um das Marketing kümmern. Ebenso muss man die Buchhaltung selbst machen und sich selbst um die Krankenversicherung kümmern.“

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Letztendlich hänge der berufliche Erfolg eines selbstständigen Fotografen aber auch von der Persönlichkeit und seiner Willensstärke ab, gab er den jungen Gestaltern am Ende der Veranstaltung mit auf ihren weiteren Weg in ihre berufliche Zukunft:

„Du verkaufst als Kreativer auch deinen Charakter. Du musst schon relativ selbstbewusst auftreten und etwas wollen. Dann kannst du es machen!“

Einmal mehr also ein starker Appell an alle Kreativen, ausgetretene Wege zu verlassen und die eigenen Stärken zu finden.

(Fotos: Kathrin Beermann; Text: Clas Möller)

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