Inklusion macht Schule

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Informationsveranstaltung am 26. November 2015 im Forum

Mit Beginn des Schuljahres 2016/2017 werden sich die nordrhein-westfälischen Berufskollegs einem fundamentalen Wandel unterwerfen müssen, denn sie werden grundsätzlich zur inklusiven Schule.

Dieser Entwicklung weit voraus greift aber schon heute das Berufskolleg des Märkischen Kreises in Iserlohn in Kooperation mit den Iserlohner Werkstätten gGmbH.

Denn seit dem Schuljahr 2015/2016 besteht am Berufskolleg des Märkischen Kreises die Klasse AVE (Ausbildungsvorbereitung Ernährungsmanagement) als inklusives Förderprojekt, in dem 8 Beschäftigte der Iserlohner Werkstätten zunächst einmal bis zu den Weihnachtsferien 2015/2016 einmal in der Woche am Unterricht am Berufskolleg des Märkischen Kreises in Iserlohn teilnehmen.

Dennoch sind die Vorbehalte an den Schulen noch groß, das Nichtwissen vielfach noch größer. Religionslehrer und Pfarrer Michael Nelson versuchte hier mit der Informationsveranstaltung „Inklusion macht Schule“ mehr Klarheit zu schaffen.

In einem außerschulischen und in einem schulischen Teil wurde der Versuch unternommen, sich dem Thema „Inklusion“ anzunähern.

Nach einem Grußwort der Superintendentin des Kirchenkreises Iserlohn Martina Espelöer, in dem sie besonders den Abbau der Barrieren im Kopf der sogenannten „Normalen“ forderte, stellten Frau Claudia Salterberg, Leiterin Personal, und Geschäftsführer Martin Ossenberg die Iserlohner Werkstätten vor. Statt Briefmarken zu sortieren oder Bastmöbel zu bauen, wird mit mittlerweile 1.000 Beschäftigten als einem der größten Arbeitgeber im Märkischen Kreis für zahlreiche bekannte Betriebe unter Marktbedingungen gefertigt.

Danach schilderten die körperbehinderte Marianna Metta und der Heimerziehungspfleger Pascal Wink ihre inklusive Arbeit als Redakteure des Magazins „caput“. Die Redaktion hat ihren Sitz im Bahnhof Iserlohn-Letmathe.

Zwischen den Beiträgen sorgte Philipp Wirmer mit Gesang zur Gitarre für den nötigen musikalischen Rahmen.

Im zweiten, dem schulischen Teil, machte Schulleiter Bernhard Ingelbach in seinem Grußwort deutlich, dass die Gesellschaft die Menschen so annehmen müsse, wie sie nun einmal sind und der behinderte Mensch Teil unserer Gesellschaft ist. Behinderung müsse man vielmehr als Teil der Nicht-Perfektion verstehen.

Wie die ersten Erfahrungen mit dem Konzept der Inklusion am Berufskolleg des Märkischen Kreises in Iserlohn ausfallen, davon berichteten anschließend die Fachlehrerinnen Dr. Katrin Renzing-Köhler und Barbara Liepach. „Mir macht es richtig Spaß, in der Klasse zu unterrichten,“ unterstrich denn auch Barbara Liepach.

Ein positiver Befund, dem Bianca Nolte-Weißensee, Klassenlehrerin der ersten integrativen Lerngruppe an der Gesamtschule Fröndenberg im Schuljahr 2010/2011, ausgesprochen beipflichtete: „An den Kindern hat es nie gelegen.“ Aber sie wisse auch, dass die Inklusion ein langer und steiniger Weg sei, der manchmal auch wehtue. Insgesamt 73 Schüler mit Behinderung gebe es übrigens an der Gesamtschule Fröndenberg, bei insgesamt ca. 1.700 Schülern.

Dezidiert auch der Befund von Christoper Meisel, ausgebildeter Förderschullehrer, der inzwischen an der Gesamtschule Fröndenberg unterrichtet: „Heute weiß ich: Inklusion ist das Beste, was es gibt. Ich möchte heute auf keinen Fall in das alte System zurück.“

In diesem Sinne appellierte auch Dr. Katrin Renzing-Köhler an die Lehrkräfte, sich auf die Inklusion einzulassen. Vor allen Dingen Wertschätzung sei ein ganz wichtiger Punkt.

Dass der beschriebene Weg zur Inklusion mitunter auch in der Realität des Schulalltages abseits der Feiertagsreden steinig sein kann, wie zuvor ja schon Bianca Nolte-Weißensee unterstrichen hatte, wurde dann zum Abschluss deutlich. So bemängelten Pascal Wink und Marianna Metta von der „caput-Redaktion“ z. T. noch fehlendes Interesse bei einigen Schülerinnen und Schülern.

Abschließend wurde auch deutlich, wie dem Ziel der Inklusion noch immer bestimmte Regularien zuwiderlaufen. „Mit einem Hauptschulabschluss könnte ich nicht in den Iserlohner Werkstätten arbeiten“, hob Marianna Metta in ihrem abschließenden Beitrag hervor.

(Text: Clas Möller, Michael Nelson)

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