Crash-Kurs NRW

crashkurs2015

Andreas Filthaut von der Präventionskampagne "Crash-Kurs NRW"

Noch immer verursachen junge Fahrer unter 25 Jahren überproportional viele Verkehrsunfälle. Daher hat sich auch die Präventionskampagne „Crash-Kurs NRW“ der Polizei NRW auf die Fahnen geschrieben, das Gefahrenbewusstsein gerade junger Fahrer zu schärfen.

Ungewohnt das Konzept: „Realität erfahren. Echt hart.“ – so heißt es in dem Flyer des Crash-Kurses NRW. Folgerichtig stehen Erfahrungsberichte, Unfallfotos und Videosequenzen, die die Folgen eines Unfalls offenlegen, im Mittelpunkt der Kampagne.

So war es auch in der Veranstaltung mit insgesamt ca. 300 Schülern am 19. Juni im Forum des Berufskollegs. Dass diese Veranstaltung keine harmlose Reality-Show werden würde, wie sie auf Kanälen des Privatfernsehens läuft, machte Andreas Filthaut von der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis gleich zum Beginn der Veranstaltung deutlich: „Wir werden Ihnen über unsere tägliche Realität berichten und schildern, was bei einem Unfall wirklich passiert. Sie bekommen hier keine anonymen Statistiken zu sehen, sondern was hier im Märkischen Kreis geschieht.“

Eine Realität, die durchaus als brutal zu verstehen ist, und der Bericht von Dr. Jutta Schürmann-Lipsch, Ärztliche Leiterin des Rettungsdienstes des Märkischen Kreises, war in diesem Sinne in jeglicher Weise beklemmend, aber hoffentlich auch wachrüttelnd: Ausführlich berichtete sie von einem einige Jahre zurückliegenden Einsatz bei einem tragischen Unfallgeschehen in einer frostigen Januarnacht, bei der ein junger Fahrer mit seinem Fahrzeug aus der Kurve getragen worden war und gegen einen Baum geprallt war. Ungefähr eine Stunde brauchte die Feuerwehr, um den Schwerstverletzten aus dem Wrack zu befreien, eine weitere Stunde dauerte der Transport zum Klinikum Dortmund Nord, berichtete sie. Bilder, die sie übrigens nie vergesse.

Daher appellierte Dr. Jutta Schürmann-Lipsch, selbst Mutter von vier Kindern, auch an die im Forum versammelten Schüler: „Fahren Sie nie schneller, als Ihr Schutzengel fliegen kann.“ Dass sich nach einem folgenschweren Unfall das Leben oft grundsätzlich ändert, darauf machte Nino Arra, 35 Jahre, aufmerksam, der vor fünf Jahren einen schweren Motorradunfall durch die Unachtsamkeit einer Autofahrerin hatte. Nino Arra versuchte, die Schüler mit auf eine imaginäre Reise zu nehmen, bei der sich die Schüler vorstellen, wie es ist, wenn man schwerstverletzt, an Maschinen angeschlossen, auf der Intensivstation aufwacht und dann auch noch feststellen muss, dass man seine Beine nicht mehr bewegen kann, weil man querschnittsgelähmt ist.

Besonders hart zu verkraften wäre für ihn jedoch gewesen, dass von vielen sogenannten Freunden nur ein harter Kern übriggeblieben wäre. Schmerzen würden auch die Blicke der Erwachsenen, weniger die neugierigen Blicke kleiner Kinder. Und dennoch würden noch viele Dinge das Leben lebenswert machen - ein schöner Sonnenaufgang, der Blick in die Augen seines kleinen Sohnes.

In diesem Sinne appellierte er daher auch an das junge Publikum: „Ich habe eine Bitte: Wenn ein Unfall passiert ist, lasst die Person nicht im Stich!“

Bleibt zu hoffen, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen verinnerlicht haben, dass sie ihr eigenes Leben und das anderer nur wirkungsvoll schützen, wenn sie sich an die Regeln im Straßenverkehr halten. Denn – so Leitbotschaft der Kampagne – Unfälle passieren nicht einfach. Sie werden verursacht, weil die Regeln nicht eingehalten werden.

Beteiligter Lehrer: Swen Göttges
Text: Clas Möller
Bild: Dietmar Boronowski, Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis

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