Gemeinschaft und Salafismus

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[Michael Boeck (links) und Dr. Gabriele Schulte (rechts)]

Spätestens mit der großangelegten Razzia der Polizei gegen Mitglieder der Salafisten-Gruppierung „Tauhid Germany“ am 26.03.2015 in Menden und Iserlohn sowie weiteren Städten in insgesamt vier Bundesländern ist klar geworden: Radikal-islamistische Gruppierungen versuchen auch im Sauerland ihre Anhängerschaft zu finden. Schlimmer noch: Iserlohn und Hemer stellten sich gar als Hochburg der Ende März von Innenminister Thomas de Maizière verbotenen Gruppe „Tauhid Germany“, einer nur etwa 30-köpfigen, aber hochgefährlichen Gruppierung, heraus, deren Anführer Hasan K. alias Abu Ibrahim aus Hemer stammt.

Umso begrüßenswerter daher die Initiative von Michael Boeck, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisverbandes Märkischer Kreis der Europa-Union NRW e.V. und Leiter der Außenstelle Menden des Berufskollegs des Märkischen Kreises in Iserlohn, und von Dr. Gabriele Schulte, Leiterin der Außenstelle Menden des Rahel-Varnhagen-Kollegs, denen es gelungen war, eine äußerst abwechslungsreiche Veranstaltung u.a. mit Fachvorträgen und szenischen Darstellungen von Schülern des Varnhagen-Kollegs zu der Thematik „Die europäische Wertegemeinschaft und der Salafismus“ für Schüler des Berufskollegs des Märkischen Kreises in Iserlohn und des Varnhagen-Kollegs auf die Beine zu stellen.

So stellte denn auch Michael Boeck in seinem Grußwort an die im ZRG in Menden versammelten Schüler klar: „Der Salafismus bedroht europäische Werte. Die EU ist aber letztendlich vor allem eine Wertegemeinschaft, nicht nur eine Wirtschafts- und Währungsunion.“

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[Michael Boeck eröffnet die Veranstaltung]

Dass man das Offensichtliche, die Präsenz einer radikalen, salafistischen Szene, die gezielt junge Leute auch im Sauerland umwirbt, lange Zeit nicht wahrhaben wollte, darauf hob anschließend Dr. Gabriele Schulte, Kennerin des Islams und des arabischen Kulturkreises, in ihrem Fachvortrag ab. Der Salafismus sei auch deswegen bei Jugendlichen so erfolgreich, so Dr. Gabriele Schulte, da er zum Anwerben gezielt Elemente der Jugend- und Popkultur übernehme. Aber man dürfe nicht vergessen: Im Islam gebe es keinesfalls, wie auch nicht im Christentum, eine einheitliche Strukturierung. Im Gegenteil: Verschiedene Gruppierungen des Islams bekämpften sich sogar gegenseitig. Zudem sei der frühe Islam ausgesprochen tolerant gewesen. Und schließlich: Im Okzident müsse man sich auch vor Augen halten, dass die Opfer des Salafismus zuvörderst die Muslime selbst sind.
Welche grundlegenden Diskussionen sich um die richtige Auslegung des Islams unter Muslimen dabei entwickeln können, machten anschließend in einer szenischen Darstellung Schüler der Abendrealschule 4 des Rahel-Varnhagen-Kollegs deutlich. So spielte Tolga Erdogan einen Salafisten bzw. Vanessa Kemper eine radikale Muslima, die beide ein Streitgespräch mit Barak Demirci führten, der hier die Rolle eines modernen aufgeklärten Moslems innehatte.

Was man denn schließlich gegen den Salafismus wirklich tun könne, diese Frage wurde natürlich auch in der abschließenden offenen Fragerunde an Dr. Gabriele Schulte herangetragen. Letztendlich könne man gegen den Salafismus nur mit präventiven Maßnahmen, Aufklärung und Information angehen. Eine Aufgabe, die letztendlich aber den Moslems zufalle, denn der IS könne nur durch die Muslime selbst, Leute die denselben Glauben teilten, zurückgedrängt werden.

(Text: Clas Möller, Bilder: Melanie Lötters und Laura Volbert aus der GGF 2B)

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