Comenius-Projekt

„Abbau deutsch-italienischer Vorurteile“

| Text: Clas Möller | Foto: Projektgruppe Comenius |

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Schon mit ihren Unterschriften unter die Römischen Verträge im Jahre 1957 und damit vor fast 60 Jahren dokumentierten Italien und Deutschland zusammen mit Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg, dass sie ihr Schicksal mit dem ihrer Nachbarländer verknüpfen und Stein für Stein das gemeinsame Haus Europa als Friedensprojekt bauen wollten.

Aber die Finanzkrise von 2007/2008 und die anschließende Staatsschuldenkrise genügten, um alte Ressentiments, Vorurteile und Stereotype wieder aufleben zu lassen. So verkündete Volker Kauder auf dem CDU-Parteitag in Leipzig mit Blick auf die Haushaltspolitik in Europa: „Jetzt wird in Europa Deutsch gesprochen“, und Beppe Grillo, Anführer von Italiens größter Oppositionspartei titelte gar in seinem Blog am 27.07.2013: „Der Teufel trägt Merkel“.

Starker Tobak also für alle Europäer, die sich der Völkerverständigung verschrieben haben. Umso wichtiger daher, dass Vorurteile grundlegend hinterfragt und entkräftet werden - vor allen Dingen durch persönliche Erfahrungen und Begegnungen in den europäischen Nachbarländern.

Genau dieses war auch das Ziel des Comenius-Projektes „Italien und Deutschland: Abbau gegenseitiger Vorurteile, gegenwärtiges und zukünftiges Zusammenleben im gemeinsamen Haus Europa“, das das Berufskolleg des Märkischen Kreises in Iserlohn (Teilstandort Menden) und das Istituto di Istruzione Superiore/Vittorio Veneto (Italien) für eine zweijährige Projektarbeit zusammenführte, die am 29.08.2014 erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

In einer ersten Projektphase wurden zunächst einmal in verschiedenen Fächern Vorurteile systematisch hinterfragt, eine Befragung vorbereitet und grundlegendes Wissen über die politischen Systeme und die neuere Geschichte von Italien und Deutschland erarbeitet. Über E-Mail und Facebook stellten die Schüler Kontakte zu ihren Mitschülern im Partnerland her und diskutierten über den Fortgang und die Ergebnisse.

In dieser ersten Projektphase konnte am 06.03.2013 die damalige Schulleiterin Irmgard Höhn zusammen mit dem leider im April 2014 verstorbenen Projektinitiator Jürgen Dons und Projektkoordinator Michael F. J. Boeck die Comenius-Gruppe aus Vittorio Veneto begrüßen, die von der italienischen Projektkoordinatorin Stefania Bellicanta begleitet wurde. Die gesamte Projektgruppe besuchte dabei u. a. das Haus der Geschichte in Bonn, die Burg Altena und das Ruhrlandmuseum in Essen.

In der zweiten Projektphase lag der Schwerpunkt auf der Erforschung historischer und ökonomischer Gründe für deutsch-italienische Vorurteile. Folgerichtig standen dabei auch Gespräche mit zwei Journalisten (und ausgewiesenen Italien-Kennern), mit dem Volkswirt Prof. Dr. Martin Ehret (FH Südwestfalen Meschede), Vertretern der Sparkasse Menden und Dr. Peter Liese (CDU, MdEP) sowie ein Vortrag von Dr. Adalbert Düllmann, dem Vorsitzenden der Europa-Union Märkischer Kreis, auf dem Programm.

Der Gegenbesuch durch das Berufskolleg des Märkischen Kreises in Iserlohn (Teilstandort Menden) in Vittorio Veneto fand im Herbst 2013 statt. Selbstverständlich lernten die Schüler hier die kulinarischen Genüsse der italienischen Küche kennen, und natürlich ging es auch nach Venedig. Nach zwei Jahren erfolgreicher Projektarbeit lässt sich mit Sicherheit festhalten: Dieses Projekt hat mitgeholfen, deutsch-italienische Vorurteile nachhaltig abzubauen und ein tieferes Verständnis für den europäischen Partner herbeizuführen.


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